„In erster Linie handelt es sich bei der Rosazea um eine Erkrankung der Talgdrüsen und der Durchblutung der Gesichtshaut“, erklärt Prof. Dr. med. Jürg Hafner, Facharzt für Dermatologie und Angiologie an der Dermatologischen Klinik des UniversitätsSpitals Zürich. Da bei etwa einem Drittel der Fälle neben der Haut auch die Augen in Mitleidenschaft gezogen werden, sodass im Extremfall eine schwere Bindehautentzündung und gar eine Erblindung drohen, empfiehlt Prof. Hafner, bei dem Verdacht aufRosazea zusätzlich zum Dermatologen auch einen Augenarzt zu konsultieren.

Der Mediziner weiss um die psychische Belastung, die mit der eigentlichen Erkrankung einhergeht: „Rosazea hat tiefgreifende Auswirkungen auf die Lebensqualität. Die Betroffenen fühlen sich durch ihr übermässiges Erröten exponiert. Die Pusteln auf ihrer Haut sondern ein streng riechendes Sekret ab. Dazu werden Erkrankte oft mit der Frage konfrontiert, ob sie Alkoholiker seien – Insofern ist Rosazea eine stark stigmatisierende Krankheit.“

Zeichnender „Fluch der Kelten“

Vor allem Menschen mittleren Alters sind von Rosazea betroffen. Da diese Hauterkrankung vermehrt bei hellhäutigen Personen auftritt, wird sie auch als „Fluch der Kelten“ bezeichnet. Typische Symptome der Rosazea sind vorübergehende oder anhaltende Hautrötungen im Gesicht, die mit einem brennenden Juckreiz und lange anhaltenden Hautschwellungen verbunden sein können. Etwa die Hälfte der Patienten entwickelt dazu Knötchen und als Pusteln bezeichnete Eiterbläschen in den zentralen Gesichtspartien. Die Entzündungen können sich ebenso an der Kopfhaut manifestieren. Bei Männern können auch ausgeprägte Hautverdickungen im Bereich der Nase – die charakteristische Knollennase (Rhinophym) –, der Wangen und des Kinns auftreten.

Lange Zeit konnte die Ursache dieser Hautkrankheit nur vermutet werden. Neuere Forschungen legen nahe, dass es sich bei Rosazea um eine genetisch bedingte, übermässige Immunreaktion auf Stoffwechselprodukte von Bakterien handelt, die sich natürlicherweise auf der Haut befinden.

Verstärkt werden die Symptome der Rosazea durch scharf gewürzten Speisen und schon kleine Mengen Alkohol, aber auch durch UV-Licht, die Haut reizende Kosmetika und Seifen sowie Stress. Darüberhinaus befördern auch Haarbalgmilben die Ausprägung der Hautkrankheit.

Prof. Hafner warnt zudem vor der Verwendung von Kortisonsalben in Eigenregie oder auf Anraten eines mit Rosazea weniger vertrauten Arztes: „Die Rötungen verschwinden hier zwar zunächst auf Wochen, aber nur, um dann unerwartet und schlimmer als je zuvor wieder aufzuflammen.“

Heilung ist möglich

Stattdessen empfiehlt sich eine doppelte Behandlung, die zum einen auf die Vermeidung von verstärkenden Faktoren und zum anderen auf eine medikamentöse Therapie setzt. Hierbei finden verschiedene Antibiotika äussere oder innere Anwendung, die entzündungshemmend wirken und die Bakterienzahl reduzieren. Zudem zeichnet sich die Zulassung eines antibiotischen Gels ab, das gezielt gegen Milben eingesetzt werden kann.

Auch gegen die unangenehme Gesichtsrötung gibt es erfolgversprechende Medikamente, während grössere Hautverdickungen etwa mittels einer Laserbehandlung abgetragen werden können. Selbst schwere Fälle von Rosazea lassen sich so innerhalb von einigen Monaten bis zu zwei Jahren vollständig heilen, wodurch Betroffene nicht nur ihre Gesundheit, sondern auch verlorene Lebensqualität und Selbstvertrauen wiedergewinnen. „Es spricht sie keiner mehr darauf an“, weiss Prof. Hafner. „Sie fühlen sich wieder ganz normal und wohl in ihrer Haut.“

Dr. Bernhard Spring
freier Journalist
27.05.2015