«Männer haben Muskeln. Männer sind furchtbar stark. Männer können alles. Männer kriegen ‘n Herzinfarkt...» Herbert Grönemeyers legendäre Hymne auf das vermeintlich starke Geschlecht spricht vermutlich vielen Ärzten aus der Seele. Denn Männer sind wahre Vorsorgemuffel, wenn es um ihre Gesundheit geht, und sie sind risikofreudiger. Das gilt auch für Hautkrebs. Wer hingegen gesundheitliche Vorsorge nicht ernst nimmt, der kann sogar sein Leben riskieren. Männer tun das leider besonders häufig. «Statistiken zeigen, dass es bei Männern im Alter zwischen 50 und 95 Jahren viel mehr unnötige schwere Erkrankungen und Todesfälle aufgrund von Hautkrebs gibt als bei Frauen im gleichen Alter», erklärt Prof. Dr. Hafner, Past Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Dermatologie und Venerologie. «Auch den ganz dicken schwarzen Hautkrebs gibt es vor allem bei Männern», so der Experte.

Diese Unterschiede zwischen Männern und Frauen sollen aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Zahl der Hautkrebserkrankungen insgesamt enorm wächst. «In den letzten 30 Jahren hat es eine Verdreifachung der Fälle von Hautkrebs gegeben», so Experte Prof. Hafner.

Formen des weissen Hautkrebses

Meist handelt es sich bei Hautkrebs um hellen Hautkrebs. Eine dieser Formen ist das zumeist harmlose Basaliom. Bleibt es allerdings unbehandelt, kann es das umliegende Gewebe zerstören und zu Entstellungen führen. Daher gilt: Je früher es behandelt wird, desto besser. Dasselbe trifft auf die noch viel häufigere aktinische Keratose, eine Frühform des weissen Hautkrebses, zu. Früh erkannt ist die Therapie einfach. Bleibt eine aktinische Keratose unbehandelt, kann sie sich aber zu einem Spinaliom (Stachelzellkrebs der Haut) entwickeln. Diese Form des weissen Hautkrebses kann – zum Glück in weniger als drei Prozent der Fälle – Metastasen entwickeln und zum Tod führen.

Besonderer Risikofaktor: «harte» Männerberufe

Warum nur trifft Hautkrebs häufiger Männer als Frauen? Männer geben offenbar weniger auf sich Acht, sprechen weniger über Krankheiten und Schmerzen. «Das gilt umso mehr für Angehörige von physisch harten Männerberufen auf dem Bau oder im Freien», so unser Experte.

Früh erkannt meist einfache Therapie

Ein klassischer Hautkrebs – egal ob weiss oder schwarz – wird fast immer erst einmal chirurgisch entfernt. «Der kleine ambulante Eingriff ist in der Regel völlig problemlos», so Hafner. Er finde unter örtlicher Betäubung statt und dauere zwischen 15 und 30 Minuten. Bei ganz oberflächlichen bzw. grossflächigen Formen von Hautkrebs sieht die Therapie anders aus: «In diesen Fällen kann man mit flüssigem Stickstoff, Salben oder einer Lampentherapie sehr gute Resultate erzielen», so der Experte.

Es könnte so einfach sein. Denn: Hautkrebs eignet sich ganz besonders für die Vorsorge. «Einmal im Monat sollte man bewusst kontrollieren, ob es auffällige Hautveränderungen gibt. Ist dies der Fall, sollte man sie dringend von einem Arzt untersuchen lassen», rät Prof. Hafner. Worauf Sie selber achten sollten, lesen Sie in den ABCD-Regeln. Sie dienen als Leitfaden, wenn Sie Ihre Haut selbst checken.


ABCD-Regel zur Früherkennung von schwarzem Hautkrebs (Melanom)

Veränderungen der Haut können Sie mit der klassischen ABCD-Regel leichter erkennen. Dies gilt für «alte» wie neue Muttermale. Trifft eines oder mehrere Kennzeichen zu, sollten Sie dies von einem Facharzt abklären lassen.
















Die Formen des Hautkrebs


Aktinische Keratose

Frühform des weissen Hautkrebses, tritt meist als roter Fleck mit Schuppen auf. Sollte früh behandelt werden, damit daraus kein gefährliches Spinaliom entsteht. Häufigste Form - tritt bei 30% bis 50% der älteren Bevölkerung auf.

Spinaliom

Meistens flache kleine Platten oder umschriebene Knoten, mit rauen Schuppen oder einer Kruste bedeckt. Kann selten lebensbedrohlich werden.

Basaliom

Haut- oder rosafarbener Hautknoten mit glatter Oberfläche. Kann bluten oder verkrusten. Lokal können Basaliome sehr gross werden und z.B. ein Gesicht «entstellen» bzw. «zerstören». Tödliche Metastasen sind aber die absolute Seltenheit.

Schwarzer Hautkrebs, malignes Melanom

Unregelmässiger, meist dunkelbrauner oder schwarzer Pigmentfleck, der sich langsam verändert. Seltener kann auch ein rasch wachsender schwarzer oder roter Knoten auf der Haut vorliegen. Führt in ca. zwölf Prozent aller betroffenen Patienten zum Tod.


Fakten

Bei einer Bevölkerung mit 8 Mio. Einwohnern wie in der Schweiz entstehen jährlich ca.

  • 2500 neue Melanome
  • 15000 neue Basalzellkarzinome
  • 5000 neue Spinozelluläre Karzinome

Dr. phil. Kai Kaufmann
Freier Journalist