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Forschung in der Dermatologie: Es braucht Entdeckergeist und Geduld

Die Forschung in der Dermatologie geht unter die Haut

Über 545‘900 Ergebnisse liefert die weltweit grösste und wichtigste medizinische Datenbank PubMed, wenn man nach dem Begriff menschliche Haut («human skin») sucht. Die jüngste veröffentlichte Studie ist gerade ein paar Tage alt, die älteste wurde im Jahr 1844 publiziert. Wenngleich diese Sucheingabe längst nicht alle Untersuchungen zutage bringt, so zeigt sie doch eins: Die Forschung spielt in der Dermatologie eine wichtige Rolle. Das Forschungsspektrum ist riesig. «Allerdings finden in der Wissenschaft vor allem häufige und bedrohliche Leiden Berücksichtigung», erklärt Prof. Christoph Schlapbach von der Universitätsklinik für Dermatologie am Inselspital Bern. «Drei der wichtigsten Forschungsgebiete der Dermatologie heissen derzeit Onkologie, entzündliche Hautkrankheiten und angeborene Krankheiten.»

Durchbruch in der Onkologie

Natürlich fördert nicht jede Untersuchung eine richtungsweisende Entdeckung zutage. Für die Therapie bei fortgeschrittenem schwarzem Hautkrebs suchten die Forscher beispielsweise über drei Jahrzehnte nach einem Durchbruch. «Man hat lange versucht, eine Impfung zu entwickeln, die spezifisch gegen das maligne Melanom wirkt – ohne Erfolg», bestätigt Prof. Schlapbach. «Aber vor ein paar Jahren hat man einen neuen Ansatz gefunden: Wir können T-Zellen, die der Tumor in eine Art Winterschlaf gelegt hat, wieder aufwecken und aktivieren, so dass sie den Krebs bekämpfen. Mit dieser Immuntherapie einerseits und mit mutationsspezifischen Medikamenten andererseits kann man das Leben dieser Hautkrebs-Patienten heute signifikant verlängern.»

Fortschritt bei Autoimmunerkrankung

Auch für Menschen mit einer schweren Schuppenflechte konnten Forscher neue, sehr effektive Medikamente entwickeln. An der Autoimmunerkrankung leiden rund zwei bis drei Prozent der Bevölkerung. Bei einem Fünftel sprechen Experten von einer schweren Form, das heisst mehr als zehn Prozent der Körperoberfläche sind mit stark schuppender, geröteter und verdickter Haut bedeckt. «Ein Meilenstein in der Forschung war geschafft, als es Wissenschaftlern gelungen ist, Antikörper zu entwickeln, die die Botenstoffe, welche die Entzündung antreiben, neutralisieren», erklärt Dermatologe Schlapbach. Die sogenannten Biologika werden gespritzt, wenn andere Therapien erfolglos blieben. «Bei bis zu 80 Prozent dieser schwer Betroffenen können sie das Hautbild verbessern und weitere Schübe verhindern.»

Geduld für angeborene Krankheiten

Trotz weitreichender Forschungserfolge gibt es für viele Krankheiten noch keine zufriedenstellende Therapie. Das gilt vor allem für seltene Erkrankungen, die trotzdem sehr schwer verlaufen können wie beispielsweise die Epidermolysis Bullosa. «Kinder, die an dieser angeborenen Krankheit leiden, kommen mit einer so fragilen Haut zur Welt, dass jede Berührung eine Abschürfung auslösen kann», erklärt Schlapbach. Schmetterlingskinder werden sie darum auch genannt. «Die Krankheit beeinträchtigt die Lebensqualität maximal und schon die kleinste Verbesserung wäre ein Gewinn. Solche Verbesserungen werden wir aber durch engagierte Forschung erreichen können.»

Dr. rer. medic. Nicole Lauscher
Freie Journalistin

zur Person

Prof. Dr. Christoph Schlapbach

Universitätsklinik für Dermatologie am Inselspital Bern

Forschungspreise 

Alle Themen und Preisträger aus dem Jahr 2016

SGDV-Posterpreise

1.Preis (für eine hervorragende experimentelle Forschungsarbeit in der Dermatologie)

"Commensal bacteria control plasmacytoid dendritic cell recruitment and activation in injured skin" JEREMY DI DOMIZIO (Lausanne), C. BELKHODJA, P. CHENUET, T. MURRAY, A. VAN LIEROP, O. DEMARIA, C. CONRAD, B. HOMEY, D.E. SPEISER, B. RYFFEL, M. GILLIET

2.Preis (für eine hervorragende klinische Forschungsarbeit in der Dermatologie)

"Does the distribution pattern of brain metastases during BRAF inhibitor therapy reflect the phenotype switch?" SILVIA HAUEIS (Zürich), P. KRÄNZLIN, P.F. CHENG, J. MANGANA, R. DUMMER, S.M. GOLDINGER

3.Preis (für eine hervorragende Fallstudie in der Dermatologie und Venerologie)

"The Clinical Spectrum of Syphilitic Balanitis of Follmann: report of six cases" CARLO MAINETTI, F. SCOLARI, S. LAUTENSCHLAGER (Bellinzona, Genève, Zürich)


Prof. U.W. Schnyder – Posterpreis (Genodermatosen/s)

"CARD14 mutation in a family with familial pityriasis rubra pilaris and psoriasis" IRIS SPOERRI WERNER (Basel), O. EYTAN, E. SPRECHER, P.H. ITIN, B. BURGER


Stiftung Galderma Spirig (Forschungspreise)

Wissenschaftspreis

"Cerebral itch in psoriasis using functional MRI" SIMON MÜLLER (Basel)

Förderpreis

"Role of the tumor microinveroment in basal cell carcinoma progression" FRANÇOIS KUONEN (Lausanne)

Förderpreis

"Hautstigma – Eine Initiative zur Unterstützung von Kindern und Jugendlichen mit einer Hautauffälligkeit" ORNELLA MASNARI (Zürich)


Louis Widmer (Projektunterstützung)

Grant für einen Weiterbildungs- und Forschungsaufenthalt am USZ in Zürich.

Gewinner: Ram Charm Adhikari (Nepal)


Pierre Fabre, Avène (Swiss Skin Cancer Award)

"Spontaneous and therapeutic STING activation in the tumor microenvironment of melanoma" OLIVIER DEMARIA (Lausanne)


SGDV Ferdinand von HEBRA-Preis (Almirall)

Opus mehrerer wissenschaftlicher Publikationen im Fachgebiet Dermatologie, welches zu einem wesentlichen Fortschritt auf dem Gebiet der dermatologischen Forschung geführt hat.

Gewinner: Jean-Hilaire Saurat (Genève)

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