Der Lebenszyklus von Haaren beträgt maximal drei bis fünf Jahre. Danach fallen sie aus, wachsen dann aber wieder nach. Haare wachsen unterschiedlich schnell, was auch altersabhängig ist. Findet man jeden Tag in der Haarbürste oder auf dem Pulli ein paar Haare, so ist das kein Grund zur Sorge. «Es liegt im Bereich des Normalen, wenn man täglich bis zu 100 Haare verliert», beruhigt der am UniversitätsSpital Zürich tätige Dermatologe Thomas M. Kündig. Er ist dort Leiter der Haarsprechstunde und Leiter der Forschungsabteilung der Dermatologischen Klinik. «Wer allerdings über längere Zeit sehr viele Haare verliert und darüber beunruhigt ist, sollte einen Dermatologen aufsuchen, um der Ursache auf den Grund zu gehen.»

Frauen und Männer: Verschiedene Ursachen

Die Forschung ist sich einig: Die häufigste Form des Haarausfalls bei der Frau ist schütteres Haupthaar, die sogenannte androgenetische Alopezie. Sie ist generell weder genetisch noch hormonell (mit Ausnahmen) bedingt und hängt auch nicht mit der Ernährung, Stress oder Haarfärbemitteln zusammen. «Tatsächlich wissen wir nicht genau, was der Grund für diesen Haarausfall ist.» Lange haben die Forscher geglaubt, dass das Übel dem Testosteron zuzuschreiben sei, weshalb Frauen irrtümlicherweise Antibabypillen mit testosteron-blockierender Wirkung verordnet wurden. «Zu den möglichen anderen Ursachen von Haarausfall bei Frauen zählen Eisenmangel oder eine Schilddrüsenfehlfunktion», wie der Dermatologe erklärt.

Bei Männern wirkt sich der Haarausfall meist ganz anders aus als bei Frauen. Typisch beim männlichen Geschlecht ist nach Ansicht von Kündig insbesondere eine Glatzenbildung an Stellen wie Stirne, Schläfen und Hinterkopf. Anders als bei Frauen wird der männliche Haarausfall über das Hormon Testosteron ausgelöst.

Gegenstrategien

Gegen männlichen Haarausfall setzt Kündig Medikamente mit dem Wirkstoff Minoxidil oder Finasterid ein; letzterer wird in Tablettenform verabreicht. Diese Medikamente wirken direkt an der Haarwurzel und hemmen das Testosteron. «So wird der Haarausfall blockiert und einige Haare wachsen sogar wieder nach. Die Erfahrungen sind sehr gut. Wirksam sind die Mittel allerdings nur solange man sie nimmt.» Nebenwirkungen seien selten und falls welche auftreten sei während der Behandlung teilweise die männliche Libido betroffen.

Bei Männern können zwei Mittel eingesetzt werden; gegen weiblichen Haarausfall sei nur ein «Kraut» (Minoxidil) gewachsen. «Mit diesem Wirkstoff können wir den Haarausfall nicht nur wirksam stoppen, sondern auch das Wachstum des Haares anregen. Die nachgewiesene Ansprechrate ist mit rund 80 Prozent sehr hoch.» Minoxidil muss täglich auf den Haarboden aufgetragen werden. Nebenwirkungen sind bisher keine bekannt. Jedoch rät der Dermatologe während einer Schwangerschaft von der Anwendung ab.

Tests

An der Dermatologischen Klinik am UniversitätsSpital Zürich forscht man seit langem in Sachen Haarausfall. Zu den Standardabklärungen zählen Tests wie die mikroskopische Untersuchung der Kopfhaut und die Dicke des Haarschafts. «Das ist die Basis für eine Diagnose.» Je nachdem würden dann weitere Untersuchungen folgen. Zudem könne Haarausfall durchaus auch durch eine Hauterkrankung ausgelöst werden, weshalb entsprechende Abklärungen wichtig sind.

Karin Huber
Freie Journalistin