Sie ist ein anatomisches Wunderwerk, echte Multitaskerin und für so ziemlich jeden Job zu haben. Grobmechanikerin und Feinmechanikerin in einem. Eine echte Zupackerin und gleichzeitig sehr sensibel. Während die Innenseite über recht robuste Haut verfügt, ist die Haut der Handoberfläche nur wenige Millimeter dünn, fast so dünn wie unsere Gesichtshaut. „Doch die dünne Haut des Handrückens ist gar nicht das Problem, wenn es um Hautirritationen oder sogar Ekzeme geht. Die Hände sind einfach am stärksten äußeren Einflüssen ausgesetzt“, sagt Professor Dr. med. Barbara Ballmer-Weber, Leitende Ärztin der Dermatologischen Klinik am Universitätsspital Zürich.

Selbst bei normalen Tätigkeiten im Haushalt kann die Haut der Hände stark gefordert und geschädigt werden, wenn sie mit belastenden, schädigenden oder sogar allergieauslösenden Stoffen in Berührung kommt. Noch problematischer kann es werden, wenn der Beruf eine regelmäßige hohe Belastung der Hände mit sich bringt.

Ob beruflich „Hand-Arbeiter“ oder nicht, hinzu kommt für uns alle die tägliche Sonnenbestrahlung. Wie sagt man doch so schön: Das wahre Alter eines Menschen erkennt man an den Händen

Unerwünschte Reize

Eigentlich ist es ja schön, dass die empfindliche Haut unserer Hände auf feinste Reize reagiert. Bei Berührungen eines lieben Menschen zum Beispiel. Jede Handfläche verfügt über rund 17.000 Fühlkörperchen. Was die bewirken können, weiß jeder, der schon mal glücklich verliebt war. Leider wissen es aber auch viele Menschen, deren Hände es beruflich regelmäßig mit mechanischen, chemischen oder biologischen – diesmal unerwünschten – Reizen zu tun haben: Farben, Kleber, Lacke, Öle, Staub und Dreck, selbst häufiges Händewaschen oder Desinfizieren und vieles mehr kann dazu gehören. Typische gefährdete Berufsgruppen sind zum Beispiel Friseure, Bäcker, Floristen, medizinisches Personal, Reinigungskräfte, Lackierer, Metallarbeiter und Bauarbeiter. Viele von ihnen wünschten sich vermutlich weniger reizbare Hände.

Eingebautes Reparatursystem

Solange die Haut der Hände intakt ist, kann sie „Angriffe“ von außen durch ihre Barriere- und Schutzfunktionen abwehren. Kleinere Schäden repariert sie mit ihrem Regenerationssystem. Ihre erste und wichtigste Barriere ist die Oberhaut (Epidermis) mit der für uns sichtbaren Hornschicht. Ihre Zellen liegen wie Ziegelsteine einer Mauer aufeinander. Absterbende Hornzellen werden durch neue ersetzt. Auf der Haut liegt ein Wasser-Fett-Film, der sie feucht und geschmeidig hält. Einen weiteren Schutz bilden wasserbildende Substanzen zwischen den Hornzellen: Harnstoff, Hyaluronsäure und Aminosäuren. Ohne die Hornschicht mit ihrem Wasser-Fett-Film würde der Körper große Mengen an Wasser verlieren. Zwei Besonderheiten der Hände und ihrer Haut: Vor allem die Handoberseite verfügt über sehr wenig Fettgewebe und die Handinnenfläche wird durch mechanische Reize stark beansprucht – zum Schutz bildet sie dann Verdickungen oder ebenso praktische wie unschöne Schwielen.

Gefahr fürs Barrieresystem

Ist nun das Barrieresystem mit seinem Rundum-Reparatur-Kit überstrapaziert, kann es seine Funktionen nicht mehr vollständig erfüllen. Mögliche Folgen: trockene, rissige oder schuppige Haut, Rötungen, Brennen, Jucken und einiges Unerfreuliches mehr. Ist die Haut sehr häufig und dauerhaft reizenden und schädigenden oder allergieauslösenden Substanzen ausgesetzt, kann das körpereigene Abwehrsystem irgendwann sogar „Amok“ laufen. Diese Überreaktion kann zu einer chronischen Entzündung führen.

Zeit für einen Dermatologen

Vielen Schäden lässt sich mit Schutz wie geeigneten Handschuhen, Hautschutzcremes, pflegenden Cremes und Salben, sanften reinigenden Seifen und anderem vorbeugen. Wenn Warnsignale wie Rötungen, Jucken, starke Trockenheit oder Brennen häufig auftreten, sollte ein Dermatologe aufgesucht werden. Er kann erkennen, ob es sich nur um eine harmlose Irritation oder etwa um ein behandlungsbedürftiges Handekzem handelt. Auch erbliche Faktoren können dafür verantwortlich sein. Manche Ekzeme können chronisch werden und sind dann schwieriger und oft auch langwierig zu behandeln. Daher sollte man mit einem Besuch beim Hautarzt besser nicht zu lange warten.

Dr. Kai Kaufmann
Freier Journalist
24.09.2014