Die Haare

Die häufigste Begleiterscheinung einer Chemotherapie ist der Haarausfall. Bereits zwei bis vier Wochen nach der ersten Gabe fallen die Kopfhaare aus. Je nach Dosierung und Anzahl der Behandlungen verlieren die Patientinnen dann auch die Körperbehaarung sowie Augenbrauen und Wimpern. Die Patientin kann jedoch in dieser Zeit mit  Perücke oder Kopfbedeckungen ihre Attraktivität wieder herstellen; mit einer Schlafmütze kann der Wärmeverlust in der Nacht verhindert werden. Die sensible Kopfhaut benötigt sorgfältige Pflege. Sechs bis acht Wochen nach Ende der Chemotherapie beginnen die Haare dann wieder zu wachsen. Doch die noch empfindlichen Haarfollikel müssen schonend behandelt werden und das nachwachsende Haar sollte in den ersten sechs Monaten keiner chemischen Behandlung ausgesetzt werden.

Kosmetische Hilfe und Beratung

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Die Haut und mögliche Auswirkungen

Die Weiterentwicklung der Chemotherapeutika sowie vor allem auch der Begleitmedikation bewirken, dass die meisten Patientinnen keine oder nur sehr milde Hautprobleme bekommen – doch unter Umständen müssen einige Patientinnen mit unangenehmen Symptomen rechnen und sollten diverse Vorsichtsmassnahmen einhalten. Erfreulicherweise verschwinden die meisten Hautveränderungen jedoch noch während bzw. nach Abschluss der Behandlung.

Generell gilt, dass Wunden und Verletzungen langsamer heilen. Insbesondere die Gesichtshaut kann während und auch noch einige Zeit nach der Chemotherapie leiden. Sie kann trocken und schuppig werden, kribbeln, jucken, spannen und brennen. Da auch das Immunsystem aufgrund der Chemotherapie immer wieder stark beeinträchtigt ist, erhöht sich zudem die Gefahr von Infektionen mit Bakterien, Pilzen und Viren. Eine Rötung und Überwärmung der Haut kann beispielsweise auf eine bakterielle Infektion hinweisen. Pilzerkrankungen zeigen sich in schuppenden, leicht geröteten und juckenden Hautarealen sowie in nässender Bläschenbildung.

Möglich sind ausserdem allergische Hautreaktionen mit juckenden Knötchen oder Quaddeln. Wenn eine starke Hautrötung und Ausschläge plötzlich während oder nach einer Medikamentengabe auftreten, handelt es sich möglicherweise um eine allergische Reaktion und man sollte sich schnellstmöglich in ärztliche Behandlung begeben.

„Viele Chemotherapeutika können die Haut sonnenempfindlicher machen bzw. phototoxische oder photoallergische Reaktionen auslösen, daher ist die Sonne direkt nach einer Verabreichung tabu. Danach ist konsequenter Sonnenschutz notwendig, auch um Pigmentflecken vorzubeugen“, rät Professor Hunger.

Je nach Wirkstoff treten die Hautveränderungen mit unterschiedlicher Häufigkeit auf. Zum Beispiel bei den zielgerichteten Krebstherapien – wie der Antikörpertherapie – kann es zu ausgeprägten Veränderungen an der Haut und ihren Anhangsgebilden, den Haaren und Nägeln kommen. Relativ häufig (bei circa einer von zehn Patientinnen) sind akneähnliche Hautausschläge oder schuppende Hautveränderungen. Es ist dann ratsam, einen Hautarzt zu konsultieren, denn bei starker Akne ist eventuell eine antibiotische Therapie notwendig. Entzündungen von Nagelwall und Nagelbett sowie Verfärbung der Nägel sind unter diesen Medikamenten ebenfalls sehr wahrscheinlich.

Die Pflege der Haut

Die Körperpflege während der Chemotherapie sollte stets behutsam sein: Keine heissen Bäder, möglichst nur mit lauwarmen Wasser kurz abduschen und die Haut mit weichen Handtücher vorsichtig abtupfen. Es ist ratsam, auf Körperpflegemittel mit potentiell reizenden Inhaltsstoffen, wie Alkohol oder ätherische Öle, Konservierungsmittel, Parabene, Mineralöle sowie Duftstoffe zu verzichten und nur seifenfreie, milde Waschlotionen und im Regelfall feuchtigkeitsspendende, rückfettende Cremes zu benutzen. Bei diversen Hautproblemen empfiehlt der behandelnde Arzt spezielle Cremes. Um die Gefahr einer Infektion zu minimieren, ist es ratsam Waschlappen und Handtücher häufig zu wechseln.

Vorsichtsmassnahmen

Das Auftreten von Hautreaktionen wird durch Schwitzen, Hitze, Druck und Reibung gefördert. Um die Haut nicht zusätzlich zu reizen, darf keine übermässige körperliche Aktivität ausgeübt werden, die Kleidung sollte locker sitzen und nicht einschnüren. Wichtig ist auch, dass die Schuhe bequem sind und nicht auf das Nagelbett drücken.

Das Hand-Fuss-Syndrom

„Bei bestimmten Chemotherapeutika können in sehr seltenen Fällen schmerzhafte Veränderungen an Handinnenflächen und Fusssohlen auftreten – man spricht dann vom Hand-Fuss-Syndrom. Es beginnt mit Kribbeln, eventuell leichtem Taubheitsgefühl und Rötungen. Im zweiten Schweregrad können starke schmerzhafte Rötungen und Schwellungen dazu kommen. Im dritten Grad Blasen, Entzündungen und offene Wunden sowie starke Schmerzen“, so Professor Hunger. Vorbeugend sollten daher die oben genannten Vorsichtsmassnahmen eingehalten werden.

Die Hand- und Fussnägel

Die Nägel können rissig und brüchig werden bzw. Furchen bekommen und sich verfärben. Wichtig ist eine vorsichtige Nagelpflege, kein Zurückschieben der Nagelhaut und ebenso eine gründliche Fusspflege – gegebenenfalls mit antiseptischen Bädern, um Fusspilz oder Nagelpilz zu vermeiden.

Die Schleimhäute 

Auch die Schleimhäute im Mund- und Rachenraum sowie Speiseröhre, Magen, Darm, Blase und Scheide sind in der Chemozeit durch mögliche Reaktionen wie Entzündungen betroffen. Dies kann beispielsweise die Mundpflege erschweren. Hygiene ist wichtig und daher wird das häufige Wechseln einer vorzugsweise weichen Zahnbürste empfohlen. Prothesenträger müssen zudem besondere Vorsicht walten lassen. Bereits im Vorfeld sollten eventuelle Entzündungsherde vom Zahnarzt behandelt werden.
Auf harte Lebensmittel, die die Mundschleimhaut reizen, oder auch saure und scharfe Gewürze oder gar alkoholhaltige Getränke sollte man verzichten.
Frauen, die unter entzündeten Schleimhäuten der Vagina leiden, können medizinische Gels oder Östrogen-Zäpfchen verwenden.

Karin Storz
Freie Journalistin