Es ist paradox. Wir wissen heute mehr denn je, wie gefährlich zu viel Sonne für unsere Haut sein kann. Gab es früher Sonnenschutzcremes mit Schutzfaktoren zwischen zwei und 20, so beträgt der SPF heute 50 und mehr. Und dennoch: Ständig steigt die Anzahl von Neuerkrankungen bei allen Hautkrebsarten vom hellen bis zum äusserst gefährlichen schwarzen Hautkrebs. Zu den Gründen zählen häufigere Reisen in südliche Regionen, vermehrte Outdoor-Aktivitäten und der Wunsch nach gesunder Bräune. Laut Prof. Dr. Surber helfen schon kleine Massnahmen um das Sonnenrisiko zu verringern.

Einschätzung

Von vielen wird die Empfindlichkeit der eigenen Haut gegenüber der Sonne unterschätzt. Auch kühles und windiges Wetter lässt uns vergessen, sich auch an solchen Tagen im Freien zu schützen. Beides kann schnell zu roten Überraschungen führen.

Sonnenhöchststand

Gefühlsmässig gehen wir davon aus, dass mittags um 12 die Sonne am höchsten steht. Das stimmt nicht ganz. Innerhalb einer Zeitzone besteht eine mehrstündige Abweichung. Wenn um 12 Uhr in Dubrovnik die Sonne am höchsten steht, dauert es noch 2 Stunden bis der Höchststand in Santiago de Compostela erreicht ist. Was bedeutet, dass man sich in Nordspanien auch lange nach dem Mittagessen erheblicher Strahlung aussetzt. Aus diesem Grund wird die sonnenintensivste Tageszeit oft mit 11-16 Uhr angegeben. In dieser Zeit sollte man sich besonders schützen.

Sonnenschutzfaktor

Der Sonnenschutzfaktor, kurz SPF (auch LLF oder SSF) gibt an, um wie viele Male man die natürliche Schutzzeit der eigenen Haut verlängern kann. Bei einer hellhäutigen Person beträgt die Eigenschutzzeit 5 Minuten. Mit einem SPF 25 erhöht sich die Schutzzeit auf 125 Min. Mit einem SPF 50 wird die Zeit nochmals verdoppelt. Allerdings nur, wenn genügend aufgetragen wurde und später nichts im T-Shirt oder im Handtuch hängen bleibt. Nachcremen nach einem Bad oder Schwitzen ist immer angesagt. Der SPF beschreibt den Schutz vor UV-B Strahlung. Auch gegen UV-A sollten Sie sich immer schützen. Diese Schutzleistung ist auf den Packungen mit einem schwarzen Logo bestehend aus einem grossen ‚A‘ in einen Kreis dargestellt. Also auch darauf beim Kauf achten!


Tipps des Experten

  • Aktivitäten in direkter Sonnenstrahlung zwischen 11 und 16 Uhr reduzieren und immer SPF 50 oder mehr verwenden
  • Sonnenschutzprodukte sollten sowohl gegen UV-B als auch UV-A schützen – also auf SPF und UV-A Logo achten
  • Weil man tendenziell zu wenig Sonnencreme aufträgt, wird der volle Sonnenschutz meist nicht mit einer einzigen Applikation erreicht – also am besten 2x eincremen, z.B. 30 und 10 Minuten vor Sonnenexposition. Die Creme kann gut antrocknen und Sie erwischen auch noch Stellen, die sie vorher versäumt haben
  • Veränderten Sonnenhöchststand im Urlaub beachten
  • Vorbräunen bringt KEINEN Nutzen, sondern schädigt die Haut nur zusätzlich
  • Sonnenschutz zum Einnehmen bietet wenig Schutz und erfordert die regelmässige Einnahme über längere Zeit – geringer Nutzen, am besten weglassen
  • Denken Sie daran: Übermässige Sonnenexposition beschleunigt die Hautalterung

Dr. Kai Kaufmann
freier Journalist
23.05.2016