Die Temperaturen steigen und mit ihnen beginnt die Badesaison. Doch mit dem Badespass kehrt auch eine alljährliche Sorge wieder: die Angst vor dem Nagelpilz. Besonders in Freibädern, wo man sich barfuss bewegt, ist die Ansteckungsgefahr massiv erhöht. Aber auch wenn Nagelpilz ein unangenehmes Thema ist, über das Betroffene ungern sprechen, braucht man sich dafür weder zu schämen noch sich zu fürchten. Die richtige Aufklärung und Prävention verhindert das Schlimmste.

Es ist wichtig zu wissen, dass Nagelpilz nicht jeden treffen kann: «Nagelpilz befällt nur Nägel, die Verletzungen aufweisen», sagt Dr. med. Bettina Rümmelein, Fachärztin Dermatologie im Medical Center See-Spital in Kilchberg. «Verletzungen entstehen dann, wenn zum Beispiel ein Schuh auf den Nagel drückt. Das kann bei zu grossen oder zu kleinen Schuhen passieren. Verletzungen entstehen aber auch bei verformten Füssen. Besonders ältere Menschen sind davon betroffen, da man früher weniger Wert auf gut sitzendes Schuhwerk gelegt hat. Man schätzt, dass circa 40 Prozent der über 65-Jährigen an einem Nagelpilz erkrankt sind. Auch Frauen, die häufig hohe Schuhe trugen oder dies noch immer tun, verletzen sich oft unbewusst an den Nägeln. Auch eine schlechte Pediküre ist ein Pilzrisiko.» Besonders Sportler, deren Schuhe fast ständig auf den grossen Zehnagel drücken, leiden häufig an Nagelpilz. Die warm-feuchten Konditionen im Sportschuh begünstigen diesen. Nicht alle Verletzungen könne man mit blossem Auge erkennen. Bei den meisten handle es sich um ein sogenanntes Mikrotrauma, um Verletzungen, die so klein sind, dass man sie nicht sieht. Wenn eine Verletzung vorliegt, ist eine Ansteckung nicht weit, denn Nagelpilz lauert überall, am liebsten in Frei- und Hallenbädern, Saunen oder Fitnessstudien. Das Risiko lauert aber auch in Schuhläden, wo Kunden barfuss Schuhe anprobieren und so den Pilz weitergeben können. Während der Ferienzeit ist auch in Hotels Vorsicht geboten: Vor allem Teppiche in Hotelzimmer, auf denen gern barfuss gegangen wird, sind beliebte Zwischenwirte.

Erkennung durch Beobachtung

Ein Nagelpilz ist nichts Schönes. Besonders im Sommer, wenn man seine Füsse in offenen Schuhen präsentieren möchte, macht einem eine solche Infektion einen Strich durch die Rechnung. Häufig beginnt Nagelpilz mit einer Infektion, die bestimmte Fadenpilze beinhaltet, sogenannte Dermatophyten. Überwiegend verursacht dieser Fadenpilz Nagelpilz, kann aber auch für Fusspilz verantwortlich sein, der dann auf die Nägel übergreift. Hefepilze oder Schimmelpilze können ebenfalls die Ursache für Nagelpilz sein, gehören aber zu den seltenen Auslösern.

Wer seine Füsse pflegt und beobachtet, kann einen Nagelpilz schnell erkennen. In einer ersten Phase beginnt der Nagel an Glanz zu verlieren, wird stumpf und matt. Danach folgt eine Verfärbung, die meiste gelblich oder weisslich ist, gefolgt von der Verdickung des Nagels. In der vierten Phase wird der Nagel rissig und brüchig und am Ende droht die vollständige Zerstörung der Nagelplatte. «Wenn der Verdacht auf Nagelpilz vorliegt, würde ich einen Dermatologen aufsuchen. Je schneller man handelt, desto besser», sagt Frau Dr. Rümmelein.

Lokale oder systemische Behandlung?

Wenn weniger als 50 Prozent eines Nagels befallen sind und die Nagelwurzel gesund ist, erfolgt die Behandlung lokal. Dabei kommen Antipilzmittel – sogenannte Antimykotika – zum Einsatz. Die Salben und Lacke dafür sind rezeptfrei in der Apotheke erhältlich und müssen während einer langwierigen Periode von mehreren Monaten regelmässig aufgetragen werden. Bei leichtem Befall helfen Harnstoffsalben bei der Vorbehandlung des betroffenen Nagels. Dieser wird mit Hilfe der Salben aufgeweicht, um dann schmerzfrei befallenen Teil des Nagels abzulösen. Somit kann nicht nur in bestimmten Fällen die Therapiedauer verkürzt, sondern auch die Rückfallquote minimiert werden.

Sind mehr als zwei Zehennägel mit dem Pilz befallen, so empfiehlt sich die systemische Behandlung, bei der zum Beispiel das Arzneimittel Antimykotikum oral eingenommen wird. Diese Behandlung dauert zwischen drei und sechs Monate, bei schwerem Befall kann die Behandlung bis zu einem Jahr andauern. «Es gibt in der Schweiz seit nicht allzu langer Zeit die Methode, Nagelpilz mittels Lasertherapie zu behandeln», erzählt Frau Dr. Rümmelein. Hierbei wird der Nagel lokal mit dem Laserlicht erhitzt und der Pilz wird während circa vier Sitzungen eliminiert. «Besonders ältere Patienten, die keine Tabletten einnehmen können oder wollen, schätzen diese Methode. Für Senioren ist es zudem auch schwer oder gar unmöglich, einen Lack aufzutragen, da sie sich nicht bis zum Erreichen ihrer Fussnägel bücken können.»

Familienmitglieder vor Ansteckung schützen

Auch während der Behandlung des Nagelpilzes verfügt der Nagel über Pilzsporen, an denen sich Mitbewohner oder Familienmitglieder mit Nagelwunden anstecken können. Pilzsporen können bis zu sechs Monate überleben und sind somit ein langfristiges Ansteckungsrisiko. Um eine Ausbreitung oder eine erneute Ansteckung zu verhindern ist es wichtig, auf die richtige Hygiene zu achten. Schuhe müssen desinfiziert werden und Socken entweder gekocht oder mit einem Hygienespülzusatz gewaschen werden. Sie dürfen nicht geteilt werden. Eine gesunde Person jedoch kann sich beim blossen Berühren mit Nagelpilz nicht anstecken, deshalb ist Panik unangebracht. Nagelscheren oder Feilen, die der Pilzpatient benutzt hat, sollten jedoch desinfiziert werden, damit sich der Pilz nicht verteilt. «Ich empfehle jedem Haushalt, dass jeder sein eigenes Fusspflegeset hat, damit sich Pilze nicht weiter verbreiten», rät Frau Dr. Rümmelein. Wer diese kleinen Tipps beachtet und beim Verdacht auf Nagelpilz sofort handelt, kann leichtfüssig durch den Sommer gehen.

Joelle Weil
Freie Journalistin