Kopfläuse willkommen zu heissen, tönt im ersten Moment doch etwas abstrakt. Christina Ruob, Apothekerin und Spezialistin für Kopfläuse, erklärt ihre positive Einstellung: «Kopfläuse sind ein gutes Zeichen, weil sie bedeuten, dass ein Kind Freunde hat und dass es sozial gut integriert ist.» Die kleinen Blutsauger übertragen sich nämlich von Kopf zu Kopf, von Haar zu Haar. Einfach haben sie es darum, wenn Kinder ihre Köpfe zusammenstecken. Mit mangelnder Hygiene hat das alles aber nichts zu tun.

Eine Laus braucht nicht sehr lange, um von einem Kopf auf den andern zu gelangen. «Die Zeit, in der Kinder ein «Selfie» machen, reicht aus, um sich Läuse einzufangen. Die Ansteckungsrate hat bei Teenagern, seit Selfies so populär sind, leicht zugenommen», weiss die Laus-Spezialistin. Und: Wenn ein Kind Kopfläuse hat, steckt es in der Regel die ganze Familie an. «Das ist aber völlig normal», beruhigt Ruob.

Blutsauger mögen es warm

Läuse ernähren sich vom Blut ihrer Wirtsleute. Und sie lieben es feucht und warm, weshalb sie oft hinter den Ohren und im Nacken sitzen. Kot und Speichel können Juckreiz auslösen. «Nicht immer aber juckt es auf dem Kopf, wenn jemand Läuse hat. Die Sensibilisierungsphase dauert 4-6 Wochen, bis man das Gefühl hat kratzen zu müssen. Wer schon einmal Läuse hatte, bei dem juckt es bereits nach 24 bis 48 Stunden.» Ein Lausweibchen legt pro Tag fünf sandkorngrosse Eier. Diese benötigen 7 bis 12 Tage, um sich zur Larve zu entwickeln und noch einmal rund 8 bis 11 Tage bis die Larve zur Laus wird.

Wie findet man Läuse?

Entdeckt man auf dem Kopf seines Kindes Läuse, sollte man zuerst schauen, wer in der Familie noch betroffen ist. «Die einzige wirksame Methode dies festzustellen ist, auf das nasse Haar Conditioner aufzutragen und dann mit dem Laus- und Nissenkamm aus der Apotheke durchs ganze Haar zu streichen. Wenn man den Kamm danach an einem weissen Tuch oder Papier abstreift und man blassgraue bis bräunliche Tierchen sieht, dann sind das Läuse. Die Eier (Nissen) sind als kleine Punkte zu erkennen. Unter einer Lupe kann man das gut beobachten», erklärt die Lausfachfrau. Bei Lausbefall rät die Expertin zwingend dazu, zweimal wöchentlich über zwei Wochen hinweg das Haar nach lebenden Läusen abzusuchen.

Wirksame Mittel

Haben sich die kleinen Vampire erst einmal am Haarschaft festgesetzt, dann kann man sie gut behandeln. Auf dem Markt gibt es viele unterschiedliche Lausmittel. Läusefachfrau Christina Ruob empfiehlt auf jeden Fall physikalisch wirkende Mittel, sogenannte Pedikulozide, zu verwenden. «Behandelt wird aber nur, wenn lebende Läuse gefunden werden. Präventiv greifen wir nicht ein.» Zwei Behandlungen sind nötig. Von Hausmittelchen rät die Spezialistin ab. «Heiss föhnen, die Stofftiere der Kinder einfrieren und alles desinfizieren, nützt nichts.»

Ganz wichtig ist es, dass die Behandlungen koordiniert und an genau bestimmten Tagen erfolgen. «Wird nur ein Kind einer Klasse behandelt, stecken sich alle immer wieder neu an.» Eltern müssen zwingend die Schule, den Kindergarten, die Freunde und andere Kreise, in denen sich das Kind bewegt, informieren.

Woher aber kommen eigentlich Läuse? Kopfläuse gibt es seit es Menschen gibt. Experten sind sich einig: «Wir werden es nie schaffen, sie auszurotten.»

Karin Huber
Freie Journalistin