Die Hyperhidrose, das übermässige Schwitzen, ist eine Krankheit und für Betroffene oft sehr unangenehm. Wird der Leidensdruck gross, ist der Gang zum Dermatologen ein Muss.

Häufige Formen

«Am häufigsten schwitzt man unter den Achseln, an den Händen und an den Fusssohlen», erklärt Severin Läuchli, Leiter der Hyperhidrose-Sprechstunde am UniversitätsSpital Zürich. «Dieses lokalisierte übermässige Schwitzen ist meistens auf eine multifaktorielle Veranlagung zurückzuführen. Die Ursachen sind nicht fassbar. Verstärker können aber kleinste Anstrengungen sein, körperlicher und psychischer Stress und ebenso scharfes Essen.»

Seltener hingegen tritt das generalisierte Schwitzen am ganzen Körper auf. Ursache ist eine Veranlagung oder eine Krankheit wie Infektionen, Fieber, Diabetes, Tumor-Erkrankungen, ebenso Adipositas, Hormon- und Stoffwechselerkrankungen. «In solchen Fällen wird zuerst die Grundkrankheit behandelt und dann das Symptom.»

Lebensqualität wird eingeschränkt

«Die Hyperhidrose, von der ein bis zwei Prozent der Bevölkerung betroffen sind, ist für viele Betroffene nicht nur enorm unangenehm, sondern kann auch massive Einschränkungen in der Lebensqualität nach sich ziehen», weiss Severin Läuchli aus seiner täglichen Praxis. Besonders einschränkend sind ständige schweissnasse Hände. «Wer darunter leidet, vermeidet es, Hände zu schütteln. Der Schamfaktor ist hoch.» Grundsätzlich kann das übermässige Schwitzen die soziale und berufliche Situation der Betroffenen stark beeinträchtigen.

Was tun?

Liegt lokalisiertes Schwitzen vor, kommen unterschiedliche Therapien zum Einsatz. Gute Behandlungserfolge stellt der Dermatologe bei den Aluminiumchloridlösungen fest, die es in niedriger Konzentration in der Apotheke gibt. Ob diese krebserregend sind, wie immer wieder diskutiert wird, ist gemäss Läuchli nicht bestätigt. «Lokal angewendet, führen diese aber meistens schnell zu einer Schweissreduktion.»

Botulinumtoxin, meist bekannt als «Faltenkiller», wendet der Dermatologe insbesondere bei übermässigem Achsel-, Hand- und Fussschweiss an. Die Wirkung setzt schnell ein. «Die Patientenzufriedenheit ist mit rund 90 Prozent hoch. Nachteil ist, dass alle sechs Monate gespritzt werden muss.».

Hilfreich sind zudem Fuss- oder Handbäder mit Schwachstrom, täglich über längere Zeit während 10-15 Minuten anzuwenden. Nützt dies alles nichts, setzen Fachärzte wie Läuchli auf operative Methoden. «Ist die Achsel betroffen, werden die Schweissdrüsen abgekratzt und abgesaugt, ähnlich wie bei einer Liposuktion. Sind die Hände betroffen, wird der Nerv (Sympatikusstrang) durchtrennt. Bei 19 von 20 Eingriffen ist hier mit guten Resultaten zu rechnen», so Läuchli. In der Regel übernehmen die Krankenkassen die Behandlungen (ausser die Botoxtherapie).

Beim generalisierten Schwitzen setzt der Dermatologe auch auf Medikamente. Diese haben jedoch öfter Nebenwirkungen (bspw. Sehstörungen, trockener Mund). Erfolge sind hier nicht unbedingt von heute auf morgen zu erzielen. «Doch glücklicherweise ist diese Form der Hyperhidrose relativ selten.» Generell für alle Betroffenen gilt: Naturmaterialien (wie Baumwolle) bei der Kleidung bevorzugen, keine Kunstleder- oder Plastikschuhe tragen, auf scharfes Essen, Alkohol und Kaffee verzichten, Stress vermeiden.

Karin Huber
Freie Journalistin