Als Neurodermitis bezeichnet man eine chronische, entzündliche Hauterkrankung, bei der sich gerötete, juckende Hautstellen, so genannte Ekzeme bilden. Die Krankheit ist nicht ansteckend, beginnt aber oft schon im Säuglingsalter. «Wir sehen eine deutliche Zunahme der Neurodermitis in den letzten Jahrzehnten. Bis zu 30 Prozent der Kinder erkranken in der Schweiz daran, meist innerhalb der ersten fünf Lebensjahre», erläutert Dr. med. Martin Glatz, Facharzt für Dermatologie am Universitätsspital Zürich. Später kann die Krankheit verschwinden: Weniger als zehn Prozent aller Erwachsenen sind noch betroffen.

Quälendes Jucken

Neurodermitis-Patienten leiden vor allem nachts an starkem Juckreiz. Weitere Symptome sind trockene Haut und wiederkehrende Ekzeme. Die Beschwerden kommen schubweise und können zwischendurch ganz abklingen. Vor allem der Juckreiz kann quälend sein: Durch Kratzen entzündet sich die Haut oft noch stärker – ein eigentlicher «Teufelskreis».

Die Ursachen sind weitgehend ungeklärt. «Kinder, deren Eltern an Neurodermitis erkrankt sind, haben ein viel höheres Risiko», sagt Dr. Glatz. Menschen mit einer Atopie, einer genetischen Veranlagung für Allergien, erkranken öfter an Neurodermitis. So tritt die Krankheit oft zusammen mit Nahrungsmittelallergien, Heuschnupfen oder Asthma auf.

Bei Anzeichen von Neurodermitis empfiehlt Dr. Glatz, unverzüglich einen Hautarzt aufzusuchen. «Die vorgängige Behandlung mit Salben kann die Diagnose erschweren.» Um bei der Diagnose Gewissheit zu haben, wird je nachdem ein Bluttest oder eine Biopsie (Gewebeprobe) durchgeführt.

Salben, salben und noch einmal salben

Die Basistherapie gegen Neurodermitis heisst salben, salben und noch einmal salben, sagt Dr. Glatz. «Das Wichtigste ist die Rückfettung der Haut. Wir raten, den Körper mindestens einmal pro Tag mit einer Bodylotion einzureiben.»

Wenn sich Ekzeme bilden, genügt die Basistherapie nicht mehr. Dann versucht man, mit kortisonhaltigen Salben der Krankheit zu Leibe zu rücken. «Solange sie unter ärztlicher Kontrolle und Aufsicht angewendet werden, haben diese Produkte kaum Nebenwirkungen», sagt der Facharzt. Er rät jedoch davon ab, Kortison über Tabletten oder Spritzen zuzuführen. «Diese Therapien wirken schnell, führen aber, sobald die Wirkung abklingt, zu einem oft noch schwereren Rückfall.»

Eine weitere, aber seltener angewandte Behandlung ist die Lichttherapie in einer Kabine, die aussieht wie ein aufrecht stehendes Solarium. Darin wird die Haut mit ultravioletter Strahlung im mittleren Bereich (UVB) behandelt, was die Entzündung hemmt.

Neue, vielversprechende Medikamente

Bei der Therapie gegen Neurodermitis zeichnen sich grosse Fortschritte ab, wie Dr. Glatz ausführt. In den nächsten Jahren könnten Biopharmazeutika auf den Markt kommen, die gezielt ins Immunsystem eingreifen und die Entzündungsvorgänge hemmen, welche Neurodermitis auslösen. Diese als Biologika bezeichnete Medikamenten-Gruppe wird seit einigen Jahren sehr erfolgreich gegen Psoriasis (Schuppenflechte) eingesetzt. «In fünf bis zehn Jahren haben wir damit vielleicht auch bei der Neurodermitis Medikamente, die bewirken, dass keine Schübe mehr auftreten.»

Rolf Zenklusen
freier Journalist
28.05.2015