Wird durch eine Verletzung nicht nur die Oberhaut durchtrennt, sondern auch die darunter liegenden Hautschichten, entsteht eine Narbe. Das zerstörte Gewebe in gleicher Weise zu erneuern, ist unser Organismus nicht imstande.

Auch wenn Narben nur klein sind, können sie das persönliche Wohlbefinden beeinträchtigen. Befinden sich Narben an gut sichtbaren Stellen, fühlen sich Betroffene häufig stigmatisiert und ausgegrenzt. Darüber hinaus können Narben stark jucken sowie Spannungsgefühle und Bewegungseinschränkungen verursachen.

Flache, weisse, im Hautniveau liegende Narben sind oft kaum zu sehen. Ist die Wundheilung aber gestört, können Narben über längere Zeit rot und deutlich sichtbar bleiben sowie mehr oder weniger unangenehme Beschwerden hervorrufen.

Verletzungen der Haut wie Operationen, Verbrennungen oder Bisse können unter Umständen wulstige Narben hervorrufen, die auf die Fläche der Wunde begrenzt sind - sogenannte hypertrophe Narben.

Die Folge von schwerer Akne können atrophe Narben sein, die tiefer liegen als die Haut. Schliesslich gibt es wuchernde Narben, sogenannte Keloide, die durch eine stark überschiessende Produktion von Bindegewebe entstehen.

Eines haben alle Narben gemeinsam: Sie sind bleibende Erinnerungen. «Es gibt zum jetzigen Zeitpunkt leider keine Methoden, um Narben ganz verschwinden zu lassen», sagt Dr. Laurence Imhof, Leiterin der Spezialsprechstunde für Ästhetische Dermatologie und Lasermedizin am Universitätsspital Zürich (USZ).

Kosmetische Abdeckung

Ein Dermatologe muss abklären, ob Korrekturmöglichkeiten bestehen und ob eine konservative Behandlung durch Silikonpflaster oder eine Kompressionsbehandlung ausreichen. Grosse, ästhetisch störende Narben im Gesicht werden durch «Camouflage» – eine kosmetische Technik zur Abdeckung der Narben – weniger sichtbar gemacht.

Sehr gute Erfolge erzielen die Dermatologen mit Laserbehandlungen, wie Dr. Imhof ausführt. Mit dem Laser werden etwa die Blutgefässe so manipuliert, dass die Sauerstoffzufuhr im Narbengewebe abnimmt und damit die Narbendicke reduziert wird. Möglich ist auch, gezielt mittels winziger Verletzungen des Narbengewebes die Haut anzuregen, neues Bindegewebe zu bilden.

Eine Standardtherapie bei wulstigen Narben ist das Einspritzen von Kortikosteroiden. Mit der Unterspritzung von Eigenfett können Narben regeneriert und oft unauffälliger gemacht werden. Oft sind Kombinationen verschiedener Therapien erforderlich, wie die Oberärztin erklärt.

Wie kann man frische Narben selbst pflegen?

«Narben können regelmässig sanft mit einem Narbenpräparat massiert werden», wie Dr. Imhof ausführt. Narbensalben und -gels aus der Apotheke enthalten Wirkstoffe, die den Heilungsprozess der Haut unterstützen und die Narbenbildung verringern. Auf keinen Fall sollten frische Narben der Sonne ausgesetzt werden. «Ich empfehle, frische Narben rund 1 bis 2 Jahre mit Textilien zu bedecken und mit Sonnenschutzmittel mit einem hohen Lichtschutzfaktor zu schützen.»

«Alles, was auf eine Entzündung im Bereich einer frischen Narbe hindeutet, sollte sehr ernst genommen werden», betont Dr. Imhof. Deshalb sollte bei Schwellungen, starker Rötung oder wenn die umgebende Haut sich sehr heiss anfühlt, sofort ein Arzt aufgesucht werden. «Die allerbeste Prävention gegen Narben ist, jegliche Hautverletzung zu vermeiden. Da dies nicht immer möglich ist, sollte man zumindest darauf achten, die eigene Haut stets sehr gut zu pflegen, damit sie geschmeidig und widerstandskräftig bleibt», unterstreicht Dr. Imhof.

Rolf Zenklusen
freier Journalist
23.05.2016