Psoriasis / Schuppenflechte – eine gutartige chronisch-entzündliche Erkrankung

Wichtig: Schuppenflechte ist nicht ansteckend 

„Psoriasis“ – die medizinische Bezeichnung für Schuppenflechte stammt vom griechischen „psao“ ab und bedeutet „ich kratze“. Psoriasis-Kranke leiden doppelt: Zum einen körperlich: unter den juckenden, entzündeten Hautpartien, zum anderen psychisch: unter den Blicken bzw. der Ausgrenzung durch die Umwelt.
In der Schweiz leben schätzungsweise 150 000 Psoriatiker. Meist tritt die Krankheit in der Pubertät oder um das 40. Lebensjahr auf (Typ-1 Psoriasis). Es gibt aber auch den „Spättyp“ (Typ-2 Psoriasis) mit leichterem Verlauf, der erst während des 5. bis 6. Lebensjahrzehnts ausbricht. Doch selbst Kleinkinder können von einer Schuppenflechte betroffen sein.

Als Ursache gilt eine genetische Veranlagung, wobei der Ausbruch der Krankheit zusätzlich von weiteren Faktoren abhängt, wie hormonelle Veränderungen (Pubertät, Schwangerschaft), psychische Belastungen, diverse Medikamente, Infektionen mit Streptokokken, Stoffwechselstörungen, Übergewicht, starkem Sonnenbrand und weiteren umweltbedingten Einflüssen. Eines ist jedoch sicher: Schuppenflechte ist nicht ansteckend! Weder durch Berühren, noch durch gemeinsames Schwimmen im Schwimmbad oder durch Intimkontakt kann die Krankheit übertragen werden.

Was passiert in der Haut?

Normalerweise erneuern sich die Zellen der obersten Hautschicht innerhalb von 28 Tagen und werden nahezu unbemerkt abgestossen. Ausgelöst durch die entzündliche Reaktion in der Oberhaut des Psoriatikers ist das Wachstum der Zellen jedoch rund siebenmal schneller. Dadurch verdichten sich die gealterten Hautzellen und bilden silbrig glänzende Schuppen. Das darunter liegende Gewebe ist aufgrund der Entzündung stark durchblutet und gerötet. Der Schweregrad und die Ausdehnung sind sehr individuell. 

Erscheinungsformen

Diese entzündeten, schuppigen Hautareale finden sich vor allem an den Ellenbogen, den Knien und Schienbeinen, auf der Kopfhaut, in der Nabel-, Leisten- und Anal-Gegend oder auch an den Geschlechtsorganen. 
Psoriasis verläuft in wiederkehrenden, unterschiedlich lang andauernden Schüben (meist im Frühling und Herbst), kann jedoch auch chronisch werden. 

Sehr selten kann es an den Handinnenflächen und den Fusssohlen zum Auftreten von stecknadelkopfgrossen eitrigen Pusteln kommen, eventuell mit Fieber (Psoriasis pustulosa).
Auch an den Finger- und Zehennägeln kann sich die Schuppenflechte zeigen. Es bilden sich kleine, runde Vertiefungen (Tüpfelnägel), ölfleckartige Veränderungen (Ölflecknägel) oder extreme Verhornungen unter der Nagelplatte mit starker Brüchigkeit, sogenannte „Krümelnägel“. 

Circa jeder fünfte Psoriasis-Patient entwickelt zusätzlich eine „Psoriasis-Arthritis“. Dabei kommt es zu schmerzhaften Schwellungen der kleinen Gelenke der Finger und/oder Zehen und infolgedessen zum Verlust der Beweglichkeit. Aber auch grössere Gelenke, wie das Kniegelenk können betroffen sein, und ebenso können entzündliche Gelenkschwellungen an der Wirbelsäule auftreten. 

Begleitkrankheiten 

Menschen mit Psoriasis erkranken häufiger an bestimmten Krankheiten als andere. Dies sind primär Bluthochdruck, Diabetes, entzündliche Darmerkrankungen, aber auch das Risiko für Schlaganfälle ist beispielsweise erhöht. Ärzte haben beobachtet, dass, wer seine Psoriasis behandelt, seltener oder abgeschwächter an diesen „Begleiterkrankungen“ leidet. 
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Karin Storz
freie Journalistin

zur Person

Dr. med. Mark David Anliker

Leiter der Klinik für Dermatologie / Allergologie / Venerologie / klinische Immunologie am Kantonsspital St.Gallen.

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Psoriasis - Therapiemöglichkeiten

Medizinische Behandlungen & persönliche Verhaltensweisen

Für die äussere Behandlung stehen pflegende, rückfettende Salben, Cremes, Lotionen, Badezusätze und Shampoos zur Verfügung. Salbenverbände mit Wirkstoffen wie Salicylsäure, Harnstoff oder Milchsäure lösen die Schuppen ab und reduzieren die Schmerzen und den Juckreiz..

In der Klinik wird der Wirkstoff Dithranol auf die betroffenen Hautstellen aufgetragen und hemmt so das übermässige Zellwachstum. Zusätzlich kommen auch Cortison-Salben zum Einsatz. Eine Langzeitanwendung mit Cortison kann allerdings dazu führen, dass die Haut an den behandelten Stellen dünner und damit noch empfindlicher wird. ??
Salben auf Basis von Calcipotriol, einem Vitamin-D Abkömmling, verlangsamen das beschleunigte Wachstum der Hautzellen und sind sehr gut verträglich. Oft reicht eine achtwöchige Behandlung zur Abheilung aus.

Innere (systemische) Therapie 

Bei schweren Verläufen werden Medikamente oral verabreicht: Vitamin-A-Abkömmlinge (Retinoide) können das Zellwachstum normalisieren und die Abschuppung beschleunigen. Eine Therapie mit Fumarsäure kann nach bisherigen Erkenntnissen die gestörten Abläufe des Immunsystems normalisieren und gewinnt daher zunehmend an Bedeutung.
Eine neue Generation von Medikamenten, die sogenannten Biologicals (bio- bzw. gentechnisch hergestellte Proteine), liefert ebenfalls vielversprechende Erfolge. Sie werden als Infusion direkt in die Vene verabreicht oder ins Unterhautgewebe gespritzt und stärken das Immunsystem.

Licht-Therapien

Sonne und vor allem die Bestrahlung mit UV-Licht bewirken eine Normalisierung der Zellteilung. Ein Sonnenbrand muss aber unbedingt vermieden werden! Das Baden in Wasser mit sehr hohem Salz-Gehalt (mehr als 30 Prozent) löst die Schuppen. Die Kombination dieser beiden Therapien wird als Photo-Solebehandlung bezeichnet und bewirkt meist eine deutliche Besserung. Badekuren auf den Nordseeinseln oder am Toten Meer können auch zu einer zumindest vorübergehenden Abheilung führen. Meist jedoch nicht so nachhaltig wie die Dithranol inklusive UVB-Therapie sowie die Bade-PUVA-Therapie: Nach einem Bad in einer Psoralenlösung, die die Haut lichtempfindlicher macht, wird der Patient anschliessend mit langwelligem, ultraviolettem Licht (UVA) bestrahlt.

Die Grundregel: Gesund leben

Sicher ist, dass Alkoholmissbrauch, Rauchen, Übergewicht und Stress die Krankheit verschlimmern. Da zum einen Schübe durch Kummer und Stress ausgelöst werden, zum anderen die Psoriasis-Kranken unter den Hautproblemen oft extrem leiden, sind Entspannungsmethoden, Verhaltenstherapien und auch Psychotherapien empfehlenswert.

Spezielle Ernährungstipps oder gar eine „Psoriasis-Diät“ sind allerdings umstritten. Die Einnahme von Omega-3-Fettsäuren – in Kapselform oder zum Beispiel in Leinöl, Walnüssen und Seefisch (vor allem in Lachs und Heringen) kann jedoch zu einer deutlichen Verbesserung führen. 
Psoriatikern wird alles empfohlen, was das Immunsystem ausbalanciert: eine ausgewogene, gesunde Ernährung, kein Nikotin, möglichst wenig Alkohol, kein Übergewicht und viel Bewegung – optimal sind täglich 30 Minuten sportliche Betätigung.
Karin Storz
freie Journalistin

zur Person

Dr. med. Mark David Anliker

Leiter der Klinik für Dermatologie / Allergologie / Venerologie / klinische Immunologie am Kantonsspital St.Gallen.

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