Rosazea-Patienten leiden oft immens unter ihrer Erkrankung und fühlen sich stigmatisiert. Sie befürchten beim ersten Eindruck durch Fremde schlechter abzuschneiden bzw. verfälscht wahrgenommen zu werden, denn irrtümlicherweise denken noch immer viele Menschen, dass die Gesichtsrötungen auf Alkoholmissbrauch, Hygienemangel oder ungesunde Lebensweise basieren. Rosazea-Patienten werden zudem als weniger intelligent und weniger vertrauenswürdig empfunden und auch im beruflichen Umfeld fühlen sie sich daher oft benachteiligt. Viele Betroffene haben infolgedessen ein erniedrigtes Selbstwertgefühl, vermeiden Sozialkontakte, leiden unter Depressionen und es kommt immer wieder zu Arbeitsausfällen. Es ist deshalb sehr wichtig, dass sowohl Rosazea-Patienten, als auch die breite Öffentlichkeit über diese Krankheit aufzuklären.

Bei Verdacht auf Rosazea sollte daher unbedingt ein Arzt aufgesucht werden – je früher, desto besser. Von einer Eigentherapie mit Cortison-Salben muss dringend gewarnt werden, da Cortison zwar kurzfristig hilft, es anschliessend aber zu einer deutlichen Verschlechterung des Krankheitsbildes kommt.

Wie sieht der Behandlungsplan aus?

„Die Behandlung richtet sich primär nach der individuellen Symptomatik des einzelnen Patienten. Die Einteilung in die klassischen vier Subtypen wird nicht mehr so starr definiert, da diese dynamisch ineinander übergehen und die meisten Patienten ein Mischbild zeigen“, so Dr. Imhof.

Zu jedem Behandlungsplan gehören allgemeine Hautpflege-Grundmassnahmen wie die regelmässige Anwendung eines Lichtschutzes für UV-A und UV-B, eine milde Reinigung zum Waschen sowie Peelings. Diese sind allerdings mit Vorsicht anzuwenden, da sie die empfindliche Haut reizen können. Das Gesicht sollte generell vorsichtig getrocknet werden, da starkes Rubbeln die Haut unnötig irritiert. Zudem sind geeignete Feuchtigkeitscremen ohne Zusatzstoffe sind hilfreich, die das unangenehme Brennen und Trockenheitsgefühl der betroffenen Hautstellen mindern können. Wichtig ist zudem, die individuellen „Trigger“, zum Beispiel scharfe Gewürze oder heisse Getränke zu meiden.

Gesichtsrötung und erweiterte Gefässe

Flächige Rötungen können mit einem neuen Wirkstoff sehr gut symptomatisch behandelt werden. Dieser wird in Form eines Gels einmal am Tag aufgetragen und bewirkt, dass sich die Blutgefässe zusammenziehen und die Erytheme so rasch abklingen. Der Effekt hält bis zu zwölf Stunden an. Als mögliche Nebenwirkungen sind lokale Reaktionen wie ein Hautbrennen und eine Hautreizung beschrieben. Erweiterte Äderchen (Teleangiektasien) bleiben jedoch sichtbar und können beispielsweise mit Hilfe von Gefässlasern oder der so genannten Blitzlampe entfernt werden. Man muss allerdings damit rechnen, dass sich diese Teleangiektasien erneut ausbilden und man daher mehrmals lasern muss.

Entzündliche Läsionen

Um die Papeln und eiterhaltigen Pusteln der Rosazea zu behandeln, kann man bei mildem Befund geeignete Cremen anwenden: In der Regel wird hierbei ein Wirkstoff (Metronidazol) eingesetzt, der entzündungshemmend wirkt und lokal das Immunsystem unterdrückt und meist schon nach wenigen Wochen sehr gute Erfolge zeigt. Ebenso wird der Wirkstoff Azelainsäure in Form von Salben eingesetzt. Er wirkt entzündungshemmend und normalisiert die Verhornung. Ein hervorragender Wirkstoff ist Ivermectin, das vor allem die Haarbalgmilben reduziert und dadurch ebenfalls entzündungshemmend wirkt – er ist jedoch in der Schweiz zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht zugelassen.

Bei Patienten mit schwerwiegenderem Befund kommen zusätzlich Tabletten zum Einsatz. In der Schweiz ist dazu aktuell nur Doxycyclin – ein Antibiotikum – zugelassen, das allgemein als Mittel der ersten Wahl gilt. Es wird in sehr niedriger Dosis verabreicht, da so ausschliesslich der antientzündliche Effekt zum Tragen kommt und es nicht antibiotisch wirksam ist. Trotz der Einnahme über mehrere Monate werden sich daher keine Resistenzen ausbilden und die Verträglichkeit ist gut.

Bei einer sehr schweren oder therapieresistenten Rosazea papulopustulosa kann ein Vitamin-A-Säure-Derivat eingesetzt werden. Es verfügt über einen sehr ausgeprägten entzündungshemmenden Effekt, darf jedoch nur bei gesicherter Empfängnisverhütung eingenommen werden, da er teratogen (fruchtschädigend) ist.

Phymatöse Hautveränderungen

Diese Patienten zeigen diffuse Wucherungen des Bindegewebes und der Talgdrüsen, so genannte Phyme. Hier wird nur dann mit den bereits genannten Medikamenten therapiert, wenn Entzündungen vorliegen. Die Bindegewebswucherungen können ausschliesslich chirurgisch bzw. mit Laser abgetragen werden.

Augenbeteiligung

Die Rosazea kann auch die Augen betreffen. Hier beginnen die Therapiemöglichkeiten mit einer sorgfältigen Lidrandhygiene. Diese beinhaltet das Auflegen warmer Kompressen und anschliessender sanfter Massage der Lidränder, um das gestaute Sekret herauszumassieren. Gegen die Trockenheit der Augen wird Tränenersatzflüssigkeit eingesetzt. Bei schweren Formen kommen antientzündlich wirkende Substanzen lokal zum Einsatz. Zudem wird dringend angeraten, eine Sonnenbrille mit optimalem UV-Schutz zu tragen.

Karin Storz
Freie Journalistin