Rosazea – auch Gesichtsrose genannt – ist eine Hautkrankheit, die vor allem in den nördlichen Ländern der Erde recht häufig vorkommt. In der Schweiz erkrankt etwa jeder 50. daran – vor allem Menschen mit heller Haut, und dies in der Regel erst nach dem 30. Lebensjahr. Es trifft mehr Frauen als Männer – doch bei Männern bilden sich im höheren Alter meist schwerere Verläufe aus. Aufklärung tut Not – denn viele Betroffene wissen nicht um ihre Erkrankung und kennen daher die zahlreichen therapeutischen Möglichkeiten nicht, um die Symptome zu lindern bzw. ein Fortschreiten der Krankheit zu verhindern.

Rosazea – eine multifaktorielle Hauterkrankung

Die Ursachen für das Auftreten der Rosazea sind nur zum Teil bekannt und wissenschaftlich gesichert. Es handelt sich primär um eine Entzündungsreaktion in der Haut, die zu einer Erweiterung der feinen Blutgefässe und so zu den Gesichtsrötungen führen. Der Grund hierfür ist eine angeborene übersteigerte Reaktion des Immunsystems: In den betroffenen Hautarealen befinden sich vermehrt Proteinbestandteile, die antibakteriell wirken und diese starken Entzündungsreaktionen und Gefässneubildungen hervorrufen. Die Entzündungsreaktionen können zudem dazu führen, dass sich Zellen des Bindegewebes vermehren und sich die Haut so zunehmend verdickt. Unter Umständen wird auch Wasser einlagert und es bilden sich Ödeme. Eine genetische Komponente ist ebenfalls involviert, denn 40 Prozent aller Rosazea-Patienten haben Verwandte, die unter dieser Krankheit leiden. Diskutiert wird auch eine Immunreaktion gegen Haarbalgmilben (Demodex folliculorium), die zwar bei 80 Prozent aller Menschen die Haut besiedeln, bei Rosazea Patienten jedoch stark vermehrt vorkommen und zusätzlich Bakterien auf sich tragen. Ebenso denkbar ist eine neurovaskuläre Komponente, das heisst eine Fehlregulation der neuronalen Steuerung der feinen Blutgefässe in der Haut.

Als weitere Auslöser, so genannte „Trigger“, gelten Faktoren, die die feinen Blutgefässe in der Haut zusätzlich erweitern, wie Alkohol, Koffein, heisse Getränke, scharfe Speisen, körperliche Anstrengung, Stress- und Angstsituationen, starke Emotionen wie Wut oder Schamgefühle, Hitze und UV-Strahlung, starke Temperaturschwankungen, alkoholhaltige Kosmetika etc..

„Der Verlauf der Rosazea ist sehr individuell und zeigt sich oft schubweise und in unterschiedlichen Schweregraden. Rosazea wird aufgrund der Symptome in vier verschiedene Stadien bzw. Subtypen eingeteilt. Diese Einteilung ist jedoch nicht zwingend als fortschreitende Entwicklung zu verstehen“, so Professor Navarini.

Subtyp I: Erythematöse-teleangiektatische Rosazea 

Typisch im Anfangsstadium sind vorübergehende anfallsartige Gesichtsrötungen, so genannte „Flushs“ bzw. Erytheme, meist ausgelöst durch Trigger. Dieser Subtyp ist bei weitem am häufigsten. Zunehmend treten diese Rötungen länger anhaltend bzw. im weiteren Verlauf der Krankheit dauerhaft auf Stirn, Nase, Wangen und Kinn auf. Oft bilden sich zudem deutlich sichtbare erweitere, feine rote Äderchen (Teleangiektasien oder Couperose) aus. Viele Patienten klagen auch über Juckreiz, Brennen, Spannen sowie Trockenheit der geröteten Hautareale. Die Gesichtshaut macht einen „verbrannten“ Eindruck und ist sehr empfindlich. Im Unterschied zu Autoimmunkrankheiten oder Kontaktallergien zeigen sich bei der Rosazea keine Autoimmunitäts-Laborparameter oder spezifische Allergien gegen z.B. Duftstoffe. 

Subtyp II: Papulopostulöse Rosazea 

In diesem Stadium haben sich – zusätzlich zu den Erythemen – Papeln (entzündliche gerötete Knötchen) und Pusteln (Eiterbläschen) im Gesicht gebildet – selten auch auf dem Hals, dem Dekolleté oder der Kopfhaut. In Abgrenzung zur Akne enstehen hierbei jedoch keine Mitesser. 

Subtyp III: Phymatöse Rosazea 

Vor allem bei Männer, die unter Rosazea leiden, kann es in höherem Alter zur Bildung eines so genannten Phyms – einer Bindegewebsvermehrung und Talgdrüsenverdickung – meist auf der Nase kommen, die dann als „Knollennase“ (Rhinophym) bezeichnet wird. In seltenen Fällen kann diese Verdickung ausserdem am Kinn, der Stirn, dem Ohr oder dem Augenlid auftreten.

Subtyp IV: Okuläre Rosazea

Bei einem Drittel der Rosazea-Patienten sind die Augen betroffen – durchaus auch als alleinige Manifestation ohne weitere Beteiligung der Gesichtshaut. Dabei sind die Augenlider entzündet und geschwollen. Die Augen sind meist sehr trocken, brennen und sind gerötet. Da unter Umständen die Hornhaut involviert ist, droht bei Nichtbehandlung im schlimmsten Falle eine Erblindung.

Fazit:

Rosazea ist eine chronische Erkrankung, die bei jedem Patienten individuell auftritt. Diese Hautkrankheit muss jedoch kein „Schicksal“ sein, sondern kann sehr gezielt behandelt werden. Zur Verfügung steht die medikamentöse Therapie, chirurgische Möglichkeiten und letztendlich auch kosmetische Abdeckung mittels Camouflage. Zudem kann jeder Betroffene durch Vermeidung seiner persönlichen stärksten Trigger zur Linderung beitragen.

Selbsthilfegruppe

Alle Rosazea-Betroffenen, die sich gern mit Anderen zu Themen rund um die Krankheit und die täglichen Herausforderungen austauschen wollen, können HIER die neugegründete Selbsthilfegruppe kontaktieren.

Vortrag

HIER ist der Vortrag von Prof. Dr. Navarini an der Patientenveranstaltung am USZ direkt einsehbar.

Karin Storz
freie Journalistin