Die Krankheit Psoriasis, auch Schuppenflechte genannt, ist mit vielen Vorurteilen behaftet. «Die falsche Meinung von Laien, Psoriasis sei eine infektiöse, ansteckende Krankheit, hält sich hartnäckig», sagt PD Dr. med. Dr. sc. nat. Alexander Navarini, Facharzt für Dermatologie am Universitätsspital Zürich. Psoriasis sei auch nicht auf mangelnde Hygiene zurückzuführen – ebenso wenig wie auf Fehlernährung.

Psoriasis ist eine chronische, entzündliche Hautkrankheit. 95 Prozent der Betroffenen leiden an der gewöhnlichen Schuppenflechte (Psoriasis vulgaris). Diese lässt sich an geröteten Herden an der Hautoberfläche erkennen. Nach der Entstehung der roten Herde verdickt sich die Haut, wird rau und beginnt zu schuppen. «80 Prozent der Patientinnen und Patienten leiden auch unter Juckreiz», erläutert Dr. Navarini. Die Hautveränderungen können am ganzen Körper vorkommen; am häufigsten werden Kopfhaut oder Ellbogen befallen, aber auch Kniestreckseiten, die Kreuzbandregion und die Gesässfalte.

Psoriasis gilt als eine der häufigsten und verbreitetsten Hautkrankheiten. Die Schuppenflechte kann in jedem Alter auftreten; in der Schweiz sind etwa zwei Prozent der Bevölkerung betroffen. Die Krankheit verläuft chronisch mit Schüben, die gehäuft im Herbst oder Winter auftreten. Wenn Krankheitsbilder an entblössten Körperstellen sichtbar sind, kann sich dies negativ auf die Lebensqualität und auf das Arbeitsleben auswirken. Dr. Navarini weiss etwa von einem Oberkellner, der wegen der Krankheit entlassen wurde.

Verschiedene Auslöser möglich

Die genauen Ursachen von Psoriasis sind unbekannt. Man weiss heute nur, dass die Veranlagung für Schuppenflechte erblich bedingt ist. «Wenn beide Elternteile betroffen sind, liegt die Wahrscheinlichkeit, die Krankheit zu bekommen, bei rund 60 Prozent», sagt Dr. Navarini. Infektionen, Medikamente, Stoffwechselstörungen, hormonelle oder psychische Faktoren, umweltbedingte Einflüsse, Verletzungen wie etwa Sonnenbrand oder Druckstellen, Stress, Alkohol oder Nikotin können die Krankheit auslösen.

«Die Diagnose ist nur im ganz frühen Stadium schwierig», sagt Dr. Navarini. Dabei müssen andere Hautkrankheiten ausgeschlossen werden. Im Zweifelsfall kommt eine Biopsie (Gewebeprobe) zur Anwendung.

Risiko für Herz- und Gefässkrankheiten

Rund 40 Prozent der Psoriasis-Betroffenen lassen sich nicht behandeln, wie Dr. Navarini schätzt. Dieses Verhalten könnte sich rächen, denn die Krankheit kann verbunden sein mit anderen Risikofaktoren. Oft geht die Schuppenflechte einher mit Bluthochdruck, Diabetes oder sogar einem Herzinfarkt. Darum betont Dr. Navarini, Patientinnen und Patienten mit schwerer Psoriasis müssten unbedingt auch auf Herz- und Gefässkrankheiten untersucht werden.

20 Prozent der Betroffenen entwickeln zudem eine heimtückische Psoriasis-Arthritis. Die meisten Gelenke des Körpers können davon betroffen sein; die Beschwerden variieren von Patient zu Patient. «Eine anhaltende Entzündung kann zu Schäden an den Gelenken führen kann», unterstreicht Dr. Navarini. Um solche Risiken auszuschliessen, empfiehlt der Facharzt, bei ersten Anzeichen von Psoriasis sofort den Hausarzt oder einen Hautspezialisten aufzusuchen.

Mit gezielten Therapien (siehe Artikel Seite ?) – präventiv mit rückfettenden Salben oder milden Haarshampoos und therapeutisch mit gezielten Medikamenten – können die Symptome teilweise oder ganz unterdrückt werden; eine dauerhafte Heilung der Krankheit ist allerdings nicht möglich.

Rolf Zenklusen
freier Journalist
27.05.2015