Akademisch betrachtet, ist die Psoriasis Arthritis im Grenzbereich von Dermatologie und Rheumatologie verortet: Je nach Blickwinkel gilt diese Gelenkentzündung als ein eigenständiges Krankheitsbild oder als eine besondere Ausprägung der Schuppenflechte. Prof. Dr. Wolf-Henning Boehncke plädiert mit Blick auf den üblichen Krankheitsverlauf für letztere Sichtweise. «In etwa 80 Prozent der Fälle liegt zunächst eine Erkrankung der Haut vor, bevor sich Beschwerden im Bewegungsapparat einstellen», erklärt der Chefarzt für Dermatologie an den Hôpitaux Universitaires de Genève. Auch wenn die Ursachen der Erkrankung unklar sind, lässt sich zumindest die grösste Risikogruppe klar umreissen: «Jeder vierte von Schuppenflechte Betroffene entwickelt etwa fünf bis zehn Jahre nach dem Ausbruch der Psoriasis eine Gelenkbeteiligung.»

Schuppenflechte, die unter die Haut geht

Bei der Psoriasis Arthritis treten Schmerzen in den Gelenken, der Wirbelsäule, den Sehnenansätzen oder den Sehnenscheiden singulär oder auch asymmetrisch verteilt auf. Die Beschwerden stellen sich zum überwiegenden Teil wiederkehrend in Schüben mit häufig längeren Pausen oder, seltener, auch chronisch ein und verursachen vor allem nächtliche Schmerzen und Morgensteifigkeit. Prof. Boehncke empfiehlt trotz oder auch gerade angesichts der «Volksseuche Rückenschmerz» jedem Psoriasis-Patienten, sich selbst genau zu hinterfragen: «Wenn Beschwerden im Bewegungsapparat vorliegen, sollte umgehend der Haus- oder auch der Hautarzt angesprochen werden. Sonst schreitet die Krankheit ungebremst fort.» Im Zweifel sollte ein Rheumatologe hinzugezogen werden, um die Verdachtsdiagnose zu bestätigen und eventuell weitere Untersuchungen zu veranlassen. Idealerweise gelingt durch die Kooperation von Hausarzt, Dermatologen und Rheumatologen eine Diagnosestellung, schon bevor es zu Knochenwucherungen oder -zerstörungen kommt. Der Experte warnt davor, die Beschwerden zu unterschätzen: «Auch eine nur leichte Schuppenflechte kann mit einer sehr schweren Psoriasis Arthritis vergesellschaftet sein.»

Schnell betroffene Gelenke retten

Eine Heilung ist bislang nicht möglich. Ziel sämtlicher Therapien ist es, die Krankheit in einem möglichst frühen Stadium zu fixieren. Salben helfen hier nicht weiter, der Königsweg ist eine systemische Behandlung mittels Tabletten oder Spritzen. Da das Ansprechen von Haut- und Gelenkbefall in Abhängigkeit vom verwendeten Präparat unterschiedlich sein kann, ist eine interdisziplinäre Betreuung durch einen Dermatologen und einen Rheumatologen angeraten.

Wenn lediglich ein einzelnes Gelenk zu behandeln ist, können Kortison-Injektionen erwogen werden. Als Goldstandard gelten entzündungshemmende Wirkstoffe wie Methotrexat oder Leflunomid. Daneben kommen Biologika zum Einsatz, die als Antikörper die Schlüsselbotenstoffe der Entzündung blockieren.

Auch wenn die Symptome unter der Therapie verschwinden, mahnt Prof. Boehncke zu Wachsamkeit. «Eine Psoriasis Arthritis kann trotz längerer Ruhephasen jederzeit wieder aufflammen.» Viele Handlungsmöglichkeiten jenseits der medizinischen Therapie eröffnen sich den Betroffenen nicht. Durch Entspannungsübungen, Sport oder eine gesunde Ernährung lässt sich weder der Ausbruch der Erkrankung verhindern noch ihr Verlauf massgeblich beeinflussen: «Eine echte Prophylaxe gibt es nicht. Aber die Behandlungsmöglichkeiten haben sich in den letzten Jahren drastisch verbessert», meint Prof. Boehncke.

Dr. Bernhard Spring
freier Journalist
23.05.2016