Lange Zeit über herrschte Ratlosigkeit im Umgang mit dem infantilen Hämangiom vor: Die roten Flecken, die sich bald nach der Geburt auf der Haut mehrerer Kinder bilden und binnen weniger Wochen und Monate zu hochstehenden Knötchen auswachsen, konnten sich die Menschen früherer Jahrhunderte nicht erklären. Und auch jene bläulich schimmernde Flecke, mit denen sich Wucherungen von Blutgefässen in tieferen Hautschichten auf der Haut abzeichneten, gaben Rätsel auf.

Moderne Behandlungsmethoden

Auch wenn die moderne Medizin die Ursache des infantilen Hämangioms noch immer nicht erklären kann, steht es doch um einiges besser hinsichtlich des Wissens um diesen gutartigen Tumor. Zunächst muss die dieser Bezeichnung anhaftende Dramatik deutlich relativiert werden: Blutschwämme treten zwar bei jedem zehnten Kind auf, doch sind sie mehrheitlich so harmlos, dass es in 80 Prozent der Fälle keiner Behandlung bedarf: Nach einer Phase schnellen Wachstums vor allem in den ersten zwei bis drei Lebensmonaten weist der Tumor nach dem sechsten Lebensmonat eine längere Zeit lang keine Veränderungen auf, bevor er in der anschliessenden Phase der Regression zunächst merklich verblasst und schliesslich an Grösse verliert. Im Alter von etwa zehn Jahren ist das Hämangiom meist spurlos verschwunden – eine wahre Erlösung für das betroffene Kind und sein Umfeld, da aufgrund des mehrheitlich prominent im Gesichtsfeld und Halsbereich auftretenden Tumors die ästhetische (Selbst-)Wahrnehmung beeinträchtigt wird und häufig Erklärungsnöte entstehen.

Auch wenn das Hämangiom in den meisten Fällen eher eine kosmetisches Herausforderung darstellt, ist diese Erkrankung dennoch in medizinischer Hinsicht in folgenden drei Fällen keinesfalls auf die leichte Schulter zu nehmen und eine schnelle Abklärung notwendig:1. Die Wucherung beeinträchtigt aufgrund ihrer Lage etwa an Auge, Lippe oder Nase die Körperfunktionen oder die Lebensqualität des Kindes nachhaltig. 2. Sie tritt an sensiblen Stellen wie etwa in der Armbeuge oder im Genitalbereich auf, wo es zu schmerzhaften Reibungen oder Entzündungen kommen kann. 3. Die Hautwölbung erreicht eine Grösse, die zurückbleibende Hautirritationen und gar Narben vermuten lässt. Heute ist ein Beta-Blocker das sichere Mittel der Wahl. Doch auch hier heisst es: Je früher der Risikofall erkannt wird, umso erfolgreicher und schneller verläuft die Behandlung.

Frühzeitige Erkennung wichtig

Doch wie lässt sich ein Hämangiom überhaupt feststellen und verlässlich von anderen Flecken wie etwa dem Storchenbiss oder dem Feuermal unterscheiden?

Wenn der rötliche Fleck auf der Haut des Kindes

  • zur Geburt noch nicht vorhanden gewesen ist,
  • ein starkes Wachstum aufweist und
  • sich wärmer als die umliegenden Hautpartien anfühlt,

handelt es sich höchstwahrscheinlich um ein Hämangiom. Im Verdachtsfall sind Hebamme und Kinderarzt die richtigen Anlaufstellen. Mittels Fotoaufnahmen können letztere das Kind unkompliziert und effizient dem Spezialisten vorstellen, der dann über das weitere Vorgehen entscheidet. Eltern wird hierbei geraten, daheim den Fleck immer wieder zu fotografieren, bevorzugt mit einem Lineal als Vergleichsgegenstand. So können sie dazu beitragen, dass das Wachstum des Flecks optimal dokumentiert und der Blutschwamm so früh wie möglich als solcher erkannt wird und entweder als harmlos eingestuft oder so effektiv wie möglich behandelt werden kann. Letzteres ist bei etwa zwölf Prozent der Betroffenen der Fall.

Noch geringer ist der Anteil jener Kinder, die sich nach der Rückbildung des Hämangioms einem kosmetischen Eingriff unterziehen müssen, um unerfreuliche Pigmentstörungen oder gar entstellendes Narbengewebe zu entfernen. Letzteres bildet sich zumeist an Lippe, Nase und Ohr und wird je nach individuellem Ausmass mittels einer Lasertherapie oder einer Operation abgetragen.

Bei aufmerksamer Beobachtung, frühzeitigem Kontakt zum Arzt und einer gegebenenfalls schnellen Einleitung der Behandlung können auch problematische Hämangiome rasch und komplett geheilt werden.

Dr. phi. Bernhard Spring
Freier Journalist