Eines vorweg: Keine Sonne ist auch keine Lösung. Denn bei aller gebotenen Vorsicht hinsichtlich der UV-Strahlen und ihrer Gefahren für unsere Haut, brauchen wir doch die Sonne. Nicht nur für die körpereigene Produktion von Vitamin-D und viele andere Prozesse. Auch für unser Wohlbefinden ist das Sonnenlicht wichtig. Nur: Auf die richtige Dosis kommt es an.

Doch was ist angemessen? Angemessen ist zunächst das richtige Bewusstsein für die Kraft und damit auch die Gefahr, die vom Licht der Sonne ausgehen kann. „Die Bevölkerung hat noch nicht das Bewusstsein entwickelt, wie schädlich UV-Strahlen sein können“, beobachtet Prof. Ralph Braun. „Die WHO hat die UV-Strahlen vor einigen Jahren in dieselbe Gefahrenklasse eingeteilt wie Röntgenstrahlen“, so Experte Braun.

Wer sich wann und wie lange unbedenklich ohne Schutz in der Sonne aufhalten kann, ist pauschal nicht zu beantworten. Denn es hängt von vielen Faktoren ab: etwa von der Intensität der UV-Strahlen, der Jahreszeit, der Tageszeit, den Wetterbedingungen, der jeweiligen Höhe wie in den Bergen oder etwa am Meer. Und es ist ganz wesentlich vom jeweiligen Hauttyp abhängig. Ein heller Hauttyp kann z.B. schon nach zehn Minuten eine gerötete Haut bekommen, ein dunkler Typ hingegen z.B. erst nach zwanzig Minuten.

Man muss sein Verhalten an diese Faktoren anpassen.

„Ein guter Sonnenschutz bedeutet, den Schatten aktiv aufzusuchen und sich durch Kleidung, Hüte und eine Sonnenbrille mit UV-Filter zu schützen“, rät Prof. Braun. Forschungsergebnisse weisen darauf hin, dass man sich durch Bekleidung sogar besser schützen kann, als es jede noch so gute Sonnencreme vermag.

Bei der Wahl einer Sonnenschutzcreme sollte darauf geachtet werden, dass sie gut vor UVA- und UVB-Strahlen schützt. Je empfindlicher der Hauttyp und je stärker die Sonneneinstrahlung ist, desto höher sollte der Lichtschutzfaktor sein. Wer zu geröteter Haut oder gar Sonnenbrand neigt, sollte z.B. einen hohen Lichtschutzfaktor (bpsw. LSF 30 und höher) anwenden. Cremen Sie sich 30 Minuten vor dem Sonnenbad ein, da viele Cremes erst dann wirken. Und: Wiederholtes Eincremen heißt nicht, dass Sie die maximale Schutzdauer damit erhöhen! Last, but not least zum Thema Sonnenschutz: „Eine gute Sonnencreme sollte sich auch gut auf der Haut anfühlen. Denn wenn ein Sonnenschutz zu fettig ist und sich nicht gut anfühlt, wird man instinktiv viel weniger auftragen und ist somit nicht ausreichend geschützt“, so Prof. Braun.

Besondere Gefahren sind jene, die als solche nicht sofort erkennbar sind. Wasser lässt bei üblicher Schwimmtiefe bis zu 60% der UV-Strahlen hindurchkommen. „Ich empfehle meinen Patienten, die gerne im Sommer schwimmen gehen spezielle UV-Schwimmshirts. Viele Sportartikelhersteller bieten diese an. Sie haben eine SPF 50 auch im nassen Zustand. Generell empfehle ich aber, in den Randzeiten zu schwimmen, wenn die UV-Exposition schwacher ist“, erklärt der Experte.

Auch indirekte Sonneneinstrahlung gefährdet, sei es durch Wolken oder im Schatten. Selbst Sand und Gebäude reflektieren die Strahlen. Und: Studien zeigen, dass regelmäßige Autofahrer besonders gefährdet sind, an Hautkrebs zu erkranken – und zwar ihre linke Körperseite (es sein denn, es gilt Linksverkehr).

Vorbeugung bedeutet aber auch Eigenkontrolle. Untersuchen Sie sich selbst regelmäßig: „Es muss darauf geachtet werden, dass die gesamte Haut angeschaut wird. Auch Stellen, die selbst nur schwer einsehbar sind wie Rücken, Oberarm und Oberschenkelrückseiten, Fusssohlen und Zehen.“, rät Prof. Braun. „Es geht bei der Selbstuntersuchung nicht darum, selbst eine Diagnose zu stellen, sondern darum, die Muttermale herauszufinden, die neu aufgetreten sind, anders als die anderen Muttermale sind und/oder sich deutlich verändern.“

Wie häufig ein Dermatologe zur Kontrolle aufgesucht werden soll, hängt von dem individuellen Hautkrebsrisiko eines Menschen ab. Prof. Braun empfiehlt in folgenden Situationen eine Untersuchung beim Facharzt:

•      wenn Sie bereits Hautkrebs hatten
•      wenn Hautkrebs in ihrer Familie vorgekommen ist
•      wenn Sie sehr viele Muttermale haben
•      wenn Sie sehr viele unregelmäßige Muttermale haben
•      und/oder wenn Sie einen hellen Hauttyp haben
•      und / oder wenn Sie wegen eines Muttermals beunruhigt sind.

Der Dermatologe wird Ihnen nach dieser ersten Bestandsaufnahme eine individuelle Empfehlung für weitere Kontrollen geben. „Auf alle Fälle sollte aber ein Muttermal, welches sich deutlich verändert, einem Spezialisten gezeigt werden“, empfiehlt unser Experte.

Dr. Kai Kaufmann
freier Journalist
27.05.2015